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	<title>lilmiquela - theUntold | stories4brands</title>
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	<title>lilmiquela - theUntold | stories4brands</title>
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		<title>Sind virtuelle Menschen die besseren Influencer?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Berens]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 May 2022 10:23:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Trends 2022]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kliemann hat&#8217;s verbockt. Die Zusammenarbeit von Marken und Influencern erscheint in einem neuen, unbequemen Licht. Ist das die Chance für virtuelle Influencer? LilMiquela fällt auf: mit ihren Sommersprossen auf der süßen Stupsnase, dem selbstbewussten, fröhlichen, manchmal auch nachdenklichen Blick zieht die Influencerin mit latein-amerikanischen Wurzeln die Blicke der Instagram-Community auf sich. Sie ist cool, mutig [&#8230;]</p>
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<h2 class="gb-headline gb-headline-34c77334 gb-headline-text"><strong>Kliemann hat&#8217;s verbockt. Die Zusammenarbeit von Marken und Influencern erscheint in einem neuen, unbequemen Licht. Ist das die Chance für virtuelle Influencer?</strong></h2>



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<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.instagram.com/lilmiquela" target="_blank" rel="noreferrer noopener">LilMiquela</a> fällt auf: mit ihren Sommersprossen auf der süßen Stupsnase, dem selbstbewussten, fröhlichen, manchmal auch nachdenklichen Blick zieht die Influencerin mit latein-amerikanischen Wurzeln die Blicke der Instagram-Community auf sich. Sie ist cool, mutig und scheint völlig frei in dem was sie denkt und tut. Wenn sie Songwriterin <a href="https://www.youtube.com/watch?v=oHChar5L1jM">King </a><a href="https://www.youtube.com/watch?v=oHChar5L1jM" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Princess</a><a href="https://www.youtube.com/watch?v=oHChar5L1jM"> auf dem Coachella-Festival </a>interviewt, für Spotify ihre eigenen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=39y9dzAwkv4" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Popsongs präsentiert</a> oder Bella Hadid im Werbespot für Calvin Klein leidenschaftlich küsst, schauen ihr bis zu 3 Million Menschen zu. Auf Instagram folgen der 19-Jährigen aus LA drei Millionen Follower durch ihr turbulentes, kunterbuntes und schickes IT-Girl-Leben. Das Time Magazin nominierte LilMiquela 2021 sogar zu einer der 25 einflussreichsten »People« im Internet. Aber so aufregend authentisch und echt das auch alles aussieht: LilMiquela ist nicht real. Sie ist ein Robot: ein virtueller Influencer, ein animierter Avatar, kreiert von einem US-amerikanischen KI-Unternehmen namens Brud.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">

</div><figcaption class="wp-element-caption">LilMiquela fasziniert ihre Community. Quelle: Miquela/YouTube</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auf den ersten Blick sieht LilMiquela tatsächlich aus wie jedes IT-Girl: Jung, gut gelaunt, extrem lässig im Umgang mit anderen Influencern und Popstars. Sie liebt sich und die Welt. Sie führt das Glitzerleben, von dem die normalen Teenager nur träumen können. Die Programmierer und Designer von Brud schufen LilMiquela 2016 als computergenerierten, maschinenlernenden Avatar, um auszuprobieren, ob Menschen bereit sind, auch virtuellen Sternchen zu folgen. Das <a href="https://www.stories4brands.com//2018/05/02/der-fall-lil-miquela-und-das-neue-geschaeft-mit-virtuellen-influencern/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">mit crossmedialem Storytelling über Jahre hinweg aufwendig inszenierte Experiment </a>war ein voller Erfolg: Follower und Fans lieben nicht nur Miquelas liberale Weltsicht, sondern auch ihren Einsatz für die Queer-Community und gegen Rassismus. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Menschen folgen auch virtuellen Influencern</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Brud hat eindrucksvoll bewiesen, dass Menschen auch mit virtueller, sprich Artificial Intelligence in einem öffentlichen Raum interagieren, wenn dahinter identitätsstiftende Werte stehen.&nbsp;Der Grund: Menschen suchen emotionale Verbindungen mit Menschen gleicher Weltanschauung und gleichen Werten. Suchen Übereinstimmung und Bestätigung. Influencer, offensichtlich egal ob real oder virtuell, helfen ihnen dabei: Sie kultivieren auf ihren Kanälen eine bestimmte Kultur und spezifische Werte, die ihre Follower teilen können. Auf diese Weise werden sie zu Plattformen, auf denen man sich zu einer leidenschaftlichen Wertegemeinschaft, sprich Community verbinden kann: Um sich gegenseitig die Welt zu erklären und Gefühle miteinander zu teilen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Je mehr Menschen mit den Inhalten eines Creators spielen, daraus lernen, darüber diskutieren, desto begehrter und wertvoller wird dieser als Kooperationspartner für Marken. Denn Marken brauchen ihren oder seinen Sinn für genau diese menschlichen Beziehungen, wenn sie ihre Reichweite erhöhen wollen und das Vertrauen einer neuen Zielgruppe gewinnen möchten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und daran ändert sich offenbar auch nichts, wenn sich, wie im Falle LilMiquelas nach anfänglicher Irritation herumspricht, dass die gute Freundin gar nicht aus Brasilien kommt, sondern aus dem Rechner. Im Gegenteil: Miquela kokettiert offen mit ihrem Robot-Leben, das ihr, wie sie erklärt, viele existenzielle Rätsel aufgibt (die dem eines echten Teenagers &#8222;natürlich&#8220; gar nicht so fremd sind). Sie spricht offen mit ihrer Community darüber – ganz im Stile eines lebendigen YouTube-Stars. Mit diesem Content ist die ewig 19-jährige zur Freundin, Vertrauten und Lebensabschnittsgefährtin ihrer faszinierten Community geworden. Aber sie ist eben noch viel mehr: Sie ist Geschäftspartnerin für viele globale und bekannte Marken wie Givenchy, Dior oder Kenzo, die ihre progressiv liberale Haltung teilen und Kontakt mit der entsprechenden Community suchen.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Influencer aufgepasst: die Robots kommen.</h2>



<p class="wp-block-paragraph">LilMiquela ist kein Einzelphänomen. Längst gibt es eine ganze Armee virtueller Influencer in den sozialen <a href="https://www.nytimes.com/2019/06/17/business/media/miquela-virtual-influencer.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Netzwerken</a>.&nbsp;HypeAuditor hat die erfolgreichsten virtuellen Instagram-Influencer des Jahres 2021 aufgelistet. <a href="https://hypeauditor.com/blog/the-top-instagram-virtual-influencers-in-2021/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Liste ist lang.&nbsp;</a></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/ABOUT-YOU-Awards_Noonoouri.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="896" height="894" src="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/ABOUT-YOU-Awards_Noonoouri.png" alt="Noonouri und Bill Kaulitz auf den ABOUT-YOU-Awards." class="wp-image-7465" srcset="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/ABOUT-YOU-Awards_Noonoouri.png 896w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/ABOUT-YOU-Awards_Noonoouri-300x300.png 300w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/ABOUT-YOU-Awards_Noonoouri-150x150.png 150w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/ABOUT-YOU-Awards_Noonoouri-768x766.png 768w" sizes="(max-width: 896px) 100vw, 896px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Noonouri und Bill Kaulitz auf den ABOUT-YOU-Awards. Quelle: ABOUT YOU / Instagram</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dabei ist z.B. die „deutsche“ Influencerin <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/noonoouri." target="_blank">Noonouri</a>. Das virtuelle Model aus München hat über 386 Tausend Follower auf Instagram. Im Gegensatz zu LilMiquela ist der Avatar leicht als Kunstfigur zu erkennen, was ihrer Zusammenarbeit mit Modemarken wie Versace und Marc Jacobs aber keinen Abbruch tut. Im Gegenteil: 2021 war Noonoouri sogar bei den ABOUT YOU-Awards im Fernsehen. Es war der erste Live-Auftritt eines virtuellen Influencers in Deutschland. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/kda_music" target="_blank">K/DA</a>, eine virtuelle K-Pop-Girlband, ist mit gleich mehreren Robots unterwegs: Ahri, Akali, Evelynn und Kai’Sa, die ihre Stimmen von echten Sängerinnen bekommen. Aber Influencer sind nicht nur menschlicher &#8222;Natur&#8220;: Buzzfeed schickt gar einen Cupcake als Influencer ins Rennen. <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/thegoodadvicecupcake/" target="_blank">Thegoodadvicecupcake</a> gibt seinen 2,4 Millionen Followern gute Ratschläge und aufmunternde Worte mit auf den Weg. Und auch altbekannte Gesichter reihen sich in die Liste ein: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/barbie" target="_blank">Barbie</a>&nbsp;ist mit 2 Millionen Instagram-Follower eine der erfolgreichsten virtuellen Influencerinnen der Welt.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/engagement-virtuelle-Influencer-Hype.png"><img decoding="async" width="1024" height="576" src="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/engagement-virtuelle-Influencer-Hype-1024x576.png" alt="Engagement virtueller Influencer" class="wp-image-7473" srcset="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/engagement-virtuelle-Influencer-Hype-1024x576.png 1024w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/engagement-virtuelle-Influencer-Hype-300x169.png 300w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/engagement-virtuelle-Influencer-Hype-768x432.png 768w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/engagement-virtuelle-Influencer-Hype-1536x864.png 1536w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/engagement-virtuelle-Influencer-Hype.png 1600w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Vergleich der Engagement Raten von Virtuellen und Realen Influencer. Quelle: HypeAuditor </figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die Engagement und Followerzahlen virtueller Influenzier sind hoch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die virtuellen Stars haben Follower-Zahlen, von denen viele menschliche Creators nur träumen können. Auch die Engagement-Zahlen der Avatare sind laut Studie von HypeAuditor bis zu dreimal so hoch wie die der echten. Budgets sei Dank. Kein Wunder also, dass Marken wie Samsung, Chanel oder Netflix schon lange mit virtuellen Influencern zusammenarbeiten. Und die Konkurrenz um die besten Werbedeals steigt. Gerade musste Platzhirsch LilMiquela ihren <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.virtualhumans.org/article/calvin-klein-partners-with-virtual-influencer-katii" target="_blank">Werbevertrag mit Calvin Klein an eine neue Wettbewerberin </a>abtreten: Die Fashion-Brand arbeitet jetzt mit der virtuellen Newcomerin <a href="https://www.instagram.com/katii.katie/">Katii</a> zusammen. Die 22-jährige „Thailänderin“ wurde von Plan B Media Public Company trendgerecht mit dicken Augenbrauen, besonders schöner Haut und einem direkten und eindringlichen Blick ausgestattet.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Katii_Katie-mit-Calvin-Klein-1.png"><img decoding="async" width="1024" height="505" src="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Katii_Katie-mit-Calvin-Klein-1-1024x505.png" alt="Katie löst LilMiquela als Werbepartner ab" class="wp-image-7476" srcset="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Katii_Katie-mit-Calvin-Klein-1-1024x505.png 1024w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Katii_Katie-mit-Calvin-Klein-1-300x148.png 300w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Katii_Katie-mit-Calvin-Klein-1-768x379.png 768w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Katii_Katie-mit-Calvin-Klein-1-1536x758.png 1536w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Katii_Katie-mit-Calvin-Klein-1.png 1832w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Katie löst LilMiquela als Werbepartner von Calvin Klein ab. Quelle: Katie / VirtualHumans.org </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Robo-Trend hat nicht nur die schnelllebige Konsumbranche erreicht, auch in der Welt der Corporate Influencer ist er angekommen. Gerade erst hat der Luxusmarken-Konzern LVMH seine erste virtuelle Mitarbeiterin, Moderatorin und Sprecherin <a href="https://www.lvmh.com/news-documents/news/livi-face-of-innovation-lvmh-unveils-the-21-startups-that-will-join-the-lvmh-lab-e-lab-at-viva-technology/">Livi vorgestellt</a>. Statt für die Verleihung seiner Innovationspreise wie sonst üblich teure Prominente, beliebte Influencer oder bekannte TV-Moderatoren  zu engagieren, setzt der weltbekannte Luxuskonzern in diesem Jahr auf den charmanten Avatar Livi: Gesicht der Innovation, virtuelle Muse und Corporate Influencerin.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Livi-–-LVMH_Corporate-Influencer.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="563" src="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Livi-–-LVMH_Corporate-Influencer-1024x563.jpeg" alt="Livi moderiert im Luxus-Konzern." class="wp-image-7461" srcset="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Livi-–-LVMH_Corporate-Influencer-1024x563.jpeg 1024w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Livi-–-LVMH_Corporate-Influencer-300x165.jpeg 300w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Livi-–-LVMH_Corporate-Influencer-768x422.jpeg 768w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Livi-–-LVMH_Corporate-Influencer-1536x845.jpeg 1536w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Livi-–-LVMH_Corporate-Influencer.jpeg 2000w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Livi moderiert im Luxus-Konzern. Quelle: LVMH</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Skandalfreie Markenbotschafter als kreative Projektionsfläche nutzen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens an dieser Stelle wird aber auch klar, warum Skandale wie der Maskendeal des vermeintlichen Philanthropen und ausgefuchsten Storytellers Fynn Kliemann oder gefährliche Ausfälle wie der des Gil Ofarim nicht nur einzelne Karrieren zerstören können, sondern die Zusammenarbeit mit echten Influencern grundsätzlich auf den Prüfstand bringen. Der Spiegel beschreibt diese Entwicklung immerhin schon als „<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/fynn-kliemann-neue-dokumente-zeigen-ausmass-dubioser-maskendeals-und-des-influencer-sumpfs-a-1a1372c7-41d2-41ed-a3d1-f04ffe5022f4" target="_blank">Influencer-Sumpf</a>“ – kein gutes Omen für die Zukunft einer Branche mit so starker, virtueller Konkurrenz. Im Gegensatz zu den Influencern aus Fleisch und Blut haben die virtuellen Kolleginnen und Kollegen nämlich keine Geschichte, die sie einholen könnte. Keine Skandale, in die sie sich verstricken könnten (und wenn, sind es ihre Schöpfer, doch dazu später mehr). Sie werden auch zukünftig nicht aus dem Ruder laufen, sich nicht bereichern oder gar in moralische Abgründe stürzen, was sich negativ auf den Kundenstamm des Werbepartners auswirken könnte. Ihre PR-Risiken sind minimiert. Und nicht nur das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">LilMiquela, Noonoouri und Co. geben dazu ein sehr überzeugendes Wertversprechen ab: Sie sind die frei gestaltbare Content-Plattformen für praktisch grenzenlose Kreativität, crossmediales Storytelling und virtuelle (und damit günstige) Produktpräsentationen. Und sie bieten die ideale Projektionsfläche für Werte, die sich ein Unternehmen für seine Marke wünscht. Individuell programmierbar. Die virtuellen Figuren können (mit viel Fingerspitzengefühl) von ihren Machern auch auf die jeweiligen Markenwelten abgestimmt werden, um deren Mode oder sonstige Produkte stimmig zu präsentieren. Sie können sogar, wie im Falle von Livi gleichzeitig an verschiedenen Orten und in verschiedenen Zeitzonen auftreten – und bei Bedarf gleich die entsprechenden Sprachen sprechen. Dabei kosten sie nicht einmal so viel wie ein echter Influencer mit gleicher Reichweite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch in der Zusammenarbeit mit Influencern gibt es Watchouts .</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Kliemannsland gibt es überall</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nun, ein wesentlicher Unterschied der virtuellen zu ihren realen Kolleginnen und Kollegen sei genannt, der diese ihnen zugleich auch wieder ein bisschen ähnlicher macht: Er besteht darin, dass Menschen und Unternehmen die Vorlieben und Interessen ihrer Schöpfungen hinter den Kulissen und mit Kalkül strategisch festlegen, möglicherweise, um aus einem bestimmten Markt Kapital zu schlagen: Die Schöpfer hauchen ihrer Figur das entsprechende  Leben ein, gestalten den Content passend dazu und verwalten ihre Social Media-Accounts, zunehmend unterstützt durch AI.&nbsp;Alles, was ein virtueller Influencer tut und sagt, wird also kontrolliert. Soweit, so gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nachricht, dass die persönliche Verbindung zwischen Follower und Influencer zu Marketingzwecken regelrecht konstruiert wurde, nur um Geld zu verdienen, könnte die Magie, die mit dem Engagement von Influencern verbunden ist, natürlich auch schnell verpuffen lassen. Wie transparent sollte man also mit der virtuellen Existenz sein? Bereits die Macher von LilMiquelas Coming-Out-Geschichte (<a href="https://www.stories4brands.com//2018/05/02/der-fall-lil-miquela-und-das-neue-geschaeft-mit-virtuellen-influencern/">siehe früherer Blogartikel</a>) konnten 2016 in ihrem Experiment deutlich machen, dass das Publikum mit manipulativer Absicht und geschicktem Storytelling auf falsche Fährten geschickt werden könnte. Und spielen die Virtualität ihres Character seitdem fair und offen.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Bildschirmfoto-2022-05-17-um-16.12.41.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="1019" height="1024" src="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Bildschirmfoto-2022-05-17-um-16.12.41-1019x1024.png" alt="Wer ist Shudu? " class="wp-image-7483" srcset="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Bildschirmfoto-2022-05-17-um-16.12.41-1019x1024.png 1019w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Bildschirmfoto-2022-05-17-um-16.12.41-300x300.png 300w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Bildschirmfoto-2022-05-17-um-16.12.41-150x150.png 150w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Bildschirmfoto-2022-05-17-um-16.12.41-768x772.png 768w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Bildschirmfoto-2022-05-17-um-16.12.41.png 1306w" sizes="auto, (max-width: 1019px) 100vw, 1019px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Wer ist Shudu? Das Spiel mit Identität und Manipulation. Quelle: Shudu.gram / Instagram </figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Es gibt keine Gesetze für virtuelle Influencer. </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Erschwerend kommt dazu: Es gibt keine Gesetze, die den Machern eine solche Offenlegung der virtuellen Identität vorschreiben. Creator, die ihre virtuellen Charactere als Personen aus Fleisch und Blut ausgeben, könnten uns mit ihren Figuren täuschen. Oder zumindest mit ihrer Absicht, wie dem Creator von <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/shudu.gram/" target="_blank">Shudu</a> vorgeworfen wurde. Die wunderschöne schwarze Frau erschien 2017 als digitales Supermodel auf Instagram. <a rel="noreferrer noopener" href="https://luxiders.com/virtual-influencers/" target="_blank">Bald stellte sich jedoch heraus</a>, dass ihr Schöpfer, der britische Fotograf Cameron-James Wilson, eben nicht nur &#8222;nicht weiblich&#8220;, sondern auch weiß ist: Man warf ihm daraufhin rassistische Aneignung vor, da er sich die Bewegung dunkelhäutiger Frauen &#8222;anzueignen&#8220; schien – ein ernsthafter Vorwurf mit Skandal-Potenzial, den Wilson eindrücklich dementierte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiterhin gibt es auch Kritik daran, dass die Avatare gerade auch Kinder und Jugendliche ansprechen, welche ihnen offen, selbstverständlich und um so leidenschaftlicher folgen. Damit könnten die Kids schnell in den negativen Sog nicht nur perfekter, sondern sogar überperfekt inszenierter Schönheitsideale geraten– mit möglicherweise katastrophalen Konsequenzen für Gesundheit und Selbstvertrauen. Eine Gefahr, die auch im realen Influencer-Geschäft immer mitschwingt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verfolgen alle Creator-Teams hinter den Avataren also tatsächlich nur hehre Ziele? Bauen sie ihre Robots transparent als echte Persönlichkeiten auf, mit einer Mission, einem tieferliegenden, bedeutungsvollen &#8222;Why&#8220;? Oder heften sie möglicherweise das Flapsige, das Gute und Moral nur vordergründig an ihre Figuren, um mit ihren ansonsten &#8222;frei gestaltbaren Werbeträgern&#8220; die Ziele ihrer eigentlichen Geschäftsmodelle (z.B. einfach viel Geld zu verdienen oder politische Meinungen zu manipulieren) zu erreichen? Ein Kliemannsland kann es überall geben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Marken müssen lernen, Community mitzudenken</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Marken müssen bei der Zusammenarbeit mit ihren neuen virtuellen Testimonials dazulernen. Insbesondere gilt es, als Marketingorganisation echte Empathie für die menschlichen Communitys zu entwickeln, die man mit der Hilfe der Avatare ansprechen möchte. Was im Zusammenspiel zwischen Marken und realen Influencern schon schwierig ist, wird mit den virtuellen Kolleginnen und Kollegen leider nicht einfacher &#8211; ganz im Gegenteil. Auch hier gilt: Nicht alles, was geht, geht auch gut, wie im Falle der oben erwähnten Zusammenarbeit von  LilMiquela und Calvin Klein. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Konzept hinter der gemeinsamen SPEAK MY TRUTH IN #MYCALVINS-Kampagne bestand darin, Sexualität in all ihren Formen zu begrüßen. Die Marke musste sich nach dem Video aber entschuldigen, nachdem sie von der Community des Queerbaiting beschuldigt wurde. Queerbaiting ist eine Marketingtaktik, die ähnlich wie das Clickbaiting funktioniert: Unternehmen werfen in diesem Fall keine reißerischen Headlines, sondern LGBTQ+-Content als &#8222;Köder&#8220; aus, um hohe Klickzahlen zu generieren. Da Bella Hadid sich als heterosexuelle Frau identifiziert, empfanden viele Fans das Video, in dem sie Miquela küsst, nicht als Statement, sondern schlicht als unaufrichtig, vor allem mit dem Wissen, dass Miquela eine fiktive Figur ist, deren Geschichte von einem Unternehmen gesteuert wird. Erkenntnis: Man ruft als Marke eben nicht mehr nur von außen seine Werbebotschaft in eine lebendige Community hinein, sondern ist mit seinem virtuellen Geschäftspartner mittendrin und Teil des ganzen. (Entschuldigung angenommen.)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vertrauen ist die Basis, Kontrolle ist attraktiv</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen vertrauen Menschen – realen wie virtuellen. Das ist wohl ein Umstand, mit dem sich viele von uns erst einmal anfreunden müssen. Und ihr Vertrauen kann offensichtlich von beiden Kategorien enttäuscht werden. Brechen wir an dieser Stelle die Lanze für die vielen leidenschaftlichen und vor allem ehrenhaft, intrinsisch motivierten Creator und Influencer aus Fleisch und Blut – die uns mit ihren ungewöhnlichen Ideen, phantastischen Storys und mit großer Leidenschaft unterhalten, helfen, trösten und Dinge beibringen. Und für deren Markenpartner, die die Zusammenarbeit mit ihnen ernsthaft, langfristig und verantwortungsvoll zu gestalten wissen. Enttäuschungen wie der tiefe Fall Kliemanns tun beiden Seiten allerdings weh. Influencer werden sich und ihre Arbeit nun noch transparenter machen müssen, um ihren Partner die nötige Sicherheit geben zu können.&nbsp;Marken werden noch mehr auf der Hut sein. Vertrauen will verdient sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wachsende Konkurrenz der kontrollierten virtuellen Influencer ist dagegen nicht mehr zu stoppen – auch dank blühender <a href="https://www.stories4brands.com//2022/02/07/content-creation-im-metaverse-whats-up/">Metaverse-Phantasien</a> (in die die virtuellen Charaktere nahtlos eintauchen können), technisch immer faszinierender Virtual und Augmented Reality (die auch ihren Nutzern einen zunehmend fließenden Übergang zwischen realer und virtueller Welt ermöglichen) und einer wachsenden Digital Fashion-Industrie (die schon eigene Kollektionen für virtuelle Identitäten kreiert). </p>



<h2 class="wp-block-heading">Grenzenlose Kreativität: virtuelle Influencer brauchen Verantwortung </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sicher, es gibt virtuellen Schatten: mangelnde Transparenz, gefährliche Schönheitsstandards und mögliche Manipulation.&nbsp;Aber es gibt eben auch viel Licht für kreatives Potenzial: nahezu grenzenlosen Spielraum für faszinierenden Content und crossmediales Storytelling. Und das eröffnet zugleich neue Möglichkeiten, um z.B. gesellschaftlich wichtige Themen voranzubringen, die sonst (zu) wenig Gehör im überlauten Social Web bekommen. Auf Instagram präsentieren die NGO &#8222;Down Syndrome International&#8220;, deren Agentur Forsman &amp; Bodenfors&nbsp;und die Digital Modeling Agency The Diigitals gerade den ersten Account <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.adweek.com/creativity/kami-virtual-influencer-with-down-syndrome-digital-world-inclusive/" target="_blank">einer jungen digitalen Influencerin mit Down-Syndrom</a>:  Mit <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/itskamisworld/" target="_blank">Kami</a>s Hilfe möchten die Projectowner die digitale Welt zu einem freundlicheren und integrativeren Ort für Menschen mit Down-Syndrom werden. (red. Update: 20.6.2020)</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Kami_Influencer-mit-Down-Syndrom.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="538" src="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Kami_Influencer-mit-Down-Syndrom-1024x538.jpeg" alt="Kami mit Down-Syndrom" class="wp-image-7584" srcset="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Kami_Influencer-mit-Down-Syndrom-1024x538.jpeg 1024w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Kami_Influencer-mit-Down-Syndrom-300x158.jpeg 300w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Kami_Influencer-mit-Down-Syndrom-768x403.jpeg 768w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2022/05/Kami_Influencer-mit-Down-Syndrom.jpeg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Kami wurde aus einer Gruppe von mehr als 100 echten Frauen mit Down-Syndrom entwickelt (Bild: Forsman &amp; Bodenfors)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt also eine Bedingung dafür, dass das mit den digitalen Influencern funktioniert: Die Macher der virtuellen Stars und ihre Geschäftspartner, die Marken, sind sich sowohl ihrer moralischen, gesellschaftlichen Verantwortung als auch ihrer kreativen Möglichkeiten gleichermaßen bewusst. Das, was für Creator im wahren Leben gilt, gilt also auch im Virtuellen. Gut zu wissen.</p>
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		<title>Der Fall Lil Miquela und das neue Geschäft mit virtuellen Influencern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Berens]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 May 2018 07:32:16 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Geschichte von @lilmiquela ist ein Meisterstück des transmedialen Storytelling. Sie ist aber auch ein faszinierendes Beispiel dafür, wie ein Unternehmen fiktionales B2B-Storytelling nutzen kann, um sehr viel Geld zu verdienen. Miquela Sousa &#8211; a.k.a. @lilmiquela &#8211; ist ein scheinbar ganz normales Mädchen spanisch-brasilianischer Herkunft. 2016 tauchte die hübsche Influencerin erstmals auf diversen Social Media [&#8230;]</p>
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<h2 class="gb-headline gb-headline-2ac49d2e gb-headline-text"><strong>Die Geschichte von @lilmiquela ist ein Meisterstück des transmedialen Storytelling. Sie ist aber auch ein faszinierendes Beispiel dafür, wie ein Unternehmen fiktionales B2B-Storytelling nutzen kann, um sehr viel Geld zu verdienen.</strong></h2>



<hr class="wp-block-separator has-text-color has-global-color-8-color has-alpha-channel-opacity has-global-color-8-background-color has-background is-style-dots"/>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Miquela Sousa &#8211; a.k.a. <a href="https://www.instagram.com/lilmiquela/">@lilmiquela</a> &#8211; ist ein scheinbar ganz normales Mädchen spanisch-brasilianischer Herkunft. 2016 tauchte die hübsche Influencerin erstmals auf diversen Social Media Kanälen auf. Es war der Beginn einer spannenden Story, deren eigentlicher Höhepunkt erst jetzt, am 17. April 2018, erzählt werden sollte. Die Geschichte von Lil Miquela ist das Meisterstück einer neuen Ära des transmedialen Storytelling. Sie ist aber auch ein faszinierendes Beispiel dafür, wie ein Unternehmen fiktionales B2B-Storytelling nutzen kann, um sehr viel Geld zu verdienen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„It&#8217;s time to support our friends, family and neighbors who came to this country for freedom and opportunity!“, schrieb Miquela Sousa unter einen ihrer Posts.</p>



<figure class="wp-block-image alignleft wp-image-4861"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="960" src="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/lil-miquela-editorial-highsnobiety.jpg" alt="lil-miquela-editorial-highsnobiety" class="wp-image-4861" srcset="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/lil-miquela-editorial-highsnobiety.jpg 960w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/lil-miquela-editorial-highsnobiety-300x300.jpg 300w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/lil-miquela-editorial-highsnobiety-150x150.jpg 150w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/lil-miquela-editorial-highsnobiety-768x768.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption class="wp-element-caption">Quelle: instagram/lilmiquela</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Post wie diesem setzte sich die sommersprossige ultraliberale Lil Miquela auf ihren Social Media Kanälen immer wieder für Flüchtlingsorganisationen, Gun Control, den Black Girls Code und viele weitere sozial engagierte Verbände ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Hauptgeschäft waren aber die zahlreichen Promo-Aktivitäten für Marken wie Kenzo, Adidas oder Prada. Sie inszenierte sie mitten in ihrem It-Girl-Leben und verdiente damit sicherlich viel Geld. Mit ihrem hübschen Gesicht schaffte sie es sogar auf dem Streetwear-Blog „Highsnobiety“, für das sie gekonnt in coolen Markenklamotten modelte. 2017 <a href="https://open.spotify.com/user/11156440514/playlist/0npz3mC9e8aTxAFRim1vLD?si=S_eeV_TKToSHcrTRVkp7-w">tauchte sie sogar auf Spotify</a>&nbsp;als Musikerin auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Miquela Sousa war in den sozialen Medien omnipräsent. Auf diese Weise hat sich die Influencerin seit ihrem Karriere-Start vor zwei Jahren über 1 Million Follower allein auf <a href="https://www.instagram.com/lilmiquela/">Instagram</a> um sich geschart.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ist sie, ist sie nicht&#8230;?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei sorgte ihr merkwürdig SIM-ähnliches Aussehen, gepaart mit ihrem durchaus menschlichen Influencer-Gebaren immer wieder dafür, dass Follower und Hater gleichermaßen rätselten: @lilmiquela, bist du echt? Oder doch nur ein mieser Fake? Diese Frage wurde in der Community leidenschaftlich diskutiert, allerdings ohne dass die &#8218;Miquelites&#8216;&nbsp; ihre treue Gefolgschaft jemals ernsthaft in Frage stellten. Am Ende war es ihnen egal. Und auch ihren Sponsoren. Die Story stimmte, als Role-Model funktionierte sie.</p>



<figure class="wp-block-image alignleft wp-image-4858"><img loading="lazy" decoding="async" width="2400" height="1360" src="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/lilmiquela_portrait.jpg" alt="lilmiquela_Portrait" class="wp-image-4858" srcset="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/lilmiquela_portrait.jpg 2400w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/lilmiquela_portrait-300x170.jpg 300w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/lilmiquela_portrait-1024x580.jpg 1024w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/lilmiquela_portrait-768x435.jpg 768w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/lilmiquela_portrait-1536x870.jpg 1536w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/lilmiquela_portrait-2048x1161.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2400px) 100vw, 2400px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#8222;In trying to realize my truth, I&#8217;m trying to learn my fiction&#8230;I am still angry and confused and alone.&#8220;&nbsp;Quelle: instagram/lilmiquela</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">So weit, so normal für die Karriere eines Influencer-It-Girls. Bis zu diesem so ungeheuerlichen Vorfall am 17. April 2018, als @lilmiquelas Account von einer anderen weilblichen Influencerin mit dem klangvollen Namen Bermuda </span><a style="font-weight: 400;" href="https://www.instagram.com/bermudaisbae/">(@bermudaisbae)</a><span style="font-weight: 400;"> gehackt, sprich übernommen wurde – und Miquela nach fiesem, mehrtägigen „Streit“ zwischen den beiden gestehen musste: „Ja, ich bin nur ein Robot&#8230;“</span></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gut gegen Böse – ein klassischer Plot mitten in der virtuellen Realität</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um es an dieser Stelle vorwegzunehmen: Das Schicksal von Lil Miquela erzählt sich wie eine gute Walt Disney Geschichte über die Rivalität zweier Protagonisten – und das auf zwei Ebenen: Nicht nur zwischen zwei virtuellen Charakteren, sondern auch auf einer ironischen Ebene zwischen zwei Firmen, die die beiden Robots ins Feld führten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bermuda, ein CG-Troll, der offensichtlich Trump’s dunkle Weltsicht durch politische Statements und Aufrufe aktiv unterstützt, wurde geschaffen von einer Company mit dem Namen Cainintelligence. Diese Firma ist laut der eigenen <a href="http://cainintelligence.com/">merkwürdig eindimensionalen Website&nbsp;</a>seit 2002 in Sachen Artificial Intelligence unterwegs. Ihr Ziel sei es, AI-Wesen wie Bermuda zu erschaffen und sie für dunkle Zwecke einzusetzen, z.B. um weltweit aufkeimende Rebellionen niederzuschlagen oder für die Alt-Right-Bewegung zu &#8222;influencen&#8220;.</p>



<figure class="wp-block-image alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" width="2522" height="1530" src="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/screenshot-cainiintelligence-website.jpg" alt="Screenshot Cainiintelligence Website" class="wp-image-4854" srcset="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/screenshot-cainiintelligence-website.jpg 2522w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/screenshot-cainiintelligence-website-300x182.jpg 300w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/screenshot-cainiintelligence-website-1024x621.jpg 1024w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/screenshot-cainiintelligence-website-768x466.jpg 768w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/screenshot-cainiintelligence-website-1536x932.jpg 1536w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/screenshot-cainiintelligence-website-2048x1242.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2522px) 100vw, 2522px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong></strong>Eine „böse“ Firma also, über die man auf Umwegen erfahren kann, dass sie @lilmiquela ursprünglich als virtuelle Sexsklavin konzipiert hatte, sie aber an eine sich von cainintelligence abspaltende Firma mit dem Namen Brud verlor. Als Revanche für diesen Verlust kreierte Cainintelligence Influencerin Bermuda und setzte sie als AI-Troll ein – mit dem bis zuletzt geheim gehaltenen Ziel: die abtrünnige ultraliberale Lil Miquela mittels Hack im Auftrag der altrechten Bewegung als Lügnerin an die Wand zu stellen.&nbsp;Und nichts aktiviert die Social-Media-Community bekanntermaßen so sehr wie echter &#8222;Beef&#8220; zwischen zwei Charakteren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Coming-out einer virtuellen Influencerin</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Hack des Accounts durch Bermuda endet in einem publikumswirksames Coming-out der besonderen Art für Lil Miquela. Sie bleibt dabei allerdings in ihrer zugewiesenen Rolle. Sie gesteht ihren Followern und auch sich selbst erstmals auf höchst emotionale Art und Weise ein, von einer Firma namens Brud erfunden worden &nbsp;– und damit also doch nur ein virtuelles Geschöpf zu sein. Sie macht ihren Schöpfern aber auch gleichzeitig zum Vorwurf, dies sogar vor ihr geheim gehalten zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Nachspann, als Epilog dieses Plots sozusagen, entschuldigt sich Brud konsequenterweise bei Lil Miquela mit einem auf einer dafür extra geschaffenen Microsite geposteten&nbsp;<a href="http://brud.fyi/public-statement.html">Statement&nbsp;</a>dafür, dass sie sie als großartigen Charakter so enttäuscht habe. Allerdings ebenfalls ohne dabei aus ihrer zugewiesenen Rolle in der Story zu fallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Haben die Bösen damit gewonnen? So leicht ist die Geschichte nicht erzählt. Ich versuche es mal mit der endgültigen Auflösung, auch wenn ich nicht sicher bin, dieses komokexe Handlungsgeflecht am Ende völlig durchschaut zu haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Auflösung – der vermeintlich entlarvende Blick hinter die Kulisse</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hinter dem virtuellen AI-Troll Bermuda, so stellt man bei näherer Betrachtung fest, steckt mit Cainintelligence eine offensichtlich ebenfalls nur erfundene virtuelle Firma – erschaffen von derselben Company, die Lil Miquela zum Leben erweckt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinter der über zwei Jahre transmedial-konzipierten Story mit ihren Playern steckt also ein einziges Silicon Valley-Start-up. Brud ist nach eigenen, sehr geschickt verklausulierten, rätselhaften&nbsp;<a href="http://www.brud.fyi/">Angaben&nbsp;</a>eine Gruppe von in Los Angeles ansässigen „Problemlösern“, die sich auf Robotik, künstliche Intelligenz und ihre Anwendungen für Medienunternehmen spezialisiert haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine neue Ära des transmedialen Storytelling hat begonnen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Soziale und klassische Medien (sogar das <a href="https://www.zdf.de/nachrichten/heute/lil-miquela-computerfigur-wird-instagramstar-100.html">ZDF</a>) überschlagen sich in diesen Tagen ob dieses PR-Stunts des Media-Start-ups, das damit viel verdiente Aufmerksamkeit für sich und seinen innovativen Umgang mit Medien bekommt. Es ist aber weit mehr als ein PR-Stunt. Es ist der Beweis, dass im Storytelling eine neue Ära begonnen hat.</p>



<figure class="wp-block-image alignnone wp-image-4857 size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="701" src="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/miquela-sousa-timeline.jpg" alt="Miquela Sousa Timeline" class="wp-image-4857" srcset="https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/miquela-sousa-timeline.jpg 1200w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/miquela-sousa-timeline-300x175.jpg 300w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/miquela-sousa-timeline-1024x598.jpg 1024w, https://www.stories4brands.com/wp-content/uploads/2018/04/miquela-sousa-timeline-768x449.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption class="wp-element-caption">https://en.wikipedia.org/wiki/Lil_Miquela</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Transmediales Storytelling auf sozialen Plattformen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Erfolg dieser inszenierten „Seifenoper“ baut nicht zuletzt darauf, dass Menschen inzwischen Dank digitalem Zeitalter Geschichten anders sehen, hören und lesen können. Der Fall Miquela Sousa ist ein Vorgeschmack darauf, wie nichtlineares und plattformübergreifendes Storytelling uns in Zukunft begleiten wird &#8211; und wir uns daran mehr und mehr gewöhnen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Brud haben die Story rund um die ihre CG- (und übrigens weitere) Influencer an diesem Mediennutzungsverhalten konsequent ausgerichtet und durch den ständigen Fluss von Inhalten, die als Stories auf sozialen Plattformen bereitgestellt wurden, unterstützt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Komplettiert wird der Erfolg durch die Tatsache, dass soziale Kanäle inzwischen einen großen Einfluss darauf haben, wie wir Medien konsumieren: Das jahrelange Drama gab sichtlich verwirrten, aber neugierigen Social-Media-Nutzern die Möglichkeit, in die Story einzusteigen. Sie konnten Kommentare lesen, sich ihre eigene Meinungen bilden und das, was als nächstes in der Geschichte passiert, über Jahre hinweg mit gestalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber nicht nur das.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>B2B-Storytelling für ein neues Geschäft mit virtuellen Influencern und AI-Robots</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit ihren beiden virtuellen Influencern konnte Brud perfekt beweisen, dass Menschen ermutigt werden können und bereit sind, mit Artificial Intelligence in einem öffentlichen Raum zu interagieren. Als Mediacompany oder was es am Ende ist, dürfte Brud mit dieser Erfolgsstory den roten Teppich für Investoren in ihr Geschäft mit virtuellen und AI-gesteuerten Influencern ausgerollt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn die Zielgruppe der ganzen fiktiven Geschichte waren am Ende nicht die &#8218;Miquelites&#8216;. Sie waren nur Mittel zum Zweck. Es sind Investoren, die nach dieser Story mehr denn je bereit sein dürften, in ein Geschäft mit virtuellen Online-Charakteren oder AI-Robots in der realen Welt zu investieren.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.stories4brands.com/der-fall-lil-miquela-und-das-neue-geschaeft-mit-virtuellen-influencern/">Der Fall Lil Miquela und das neue Geschäft mit virtuellen Influencern</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.stories4brands.com">theUntold | stories4brands</a>.</p>
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